St. Marien Kirche Boren
Die St.-Marien-Kirche in Boren im Kreis Schleswig-Flensburg gehört zu den bedeutenden romanischen Dorfkirchen der Landschaft Angeln. Sie wurde im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts als einschiffige Backsteinkirche mit Kastenchor errichtet und gilt als eines der Bauwerke, das das Erscheinungsbild romanischer Kirchen dieser Region besonders stilrein bewahrt hat. Die Kirche stand ursprünglich unter dem Patronat des Domkapitels des Schleswiger Doms, dem die Einkünfte des Kirchspiels zuflossen.
Die Kirche liegt leicht erhöht am Rand des Dorfes und wird von einem Friedhof umgeben. Ein weiter Vorplatz verbindet die Dorfstraße mit dem Kirchgelände. Dieser Platz wird von historischen Gebäuden eingerahmt, darunter das ehemalige Küsterhaus – ein Fachwerkbau aus der Zeit um 1800, der ursprünglich als erste Dorfschule diente und heute als Gemeindehaus genutzt wird. Nordöstlich der Kirche steht ein hölzerner Glockenturm aus dem Jahr 1693, der noch die traditionelle Bauform der Angelner Glockenstapel bewahrt.
Der ursprüngliche Bau wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. In spätgotischer Zeit entstand vor dem Nordportal ein Waffenhaus mit einem blendenverzierten Giebel. In späteren Jahrhunderten wurden die Fenster vergrößert, die Kirche erhielt eine barocke Ausstattung und im Norden entstand eine Gruft für die Besitzer des Gutes Dänisch-Lindau, die lange Zeit das Kirchenpatronat innehatten.
Eine grundlegende Umgestaltung erfolgte ab 1938 unter der Leitung des Konsistorialbaumeisters Otto Schnittger. Ziel war es, die Kirche entsprechend den damaligen denkmalpflegerischen Vorstellungen wieder stärker an ihr romanisches Erscheinungsbild anzunähern. Barocke Einbauten wie Emporen und Patronatslogen wurden entfernt, die ursprünglichen kleinen Fenster wieder geöffnet und der romanische Chorbogen rekonstruiert. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung wurden die Arbeiten zwischen 1946 und 1952 durch den Maler und Restaurator Carl Fey sowie den Bildhauer Alwin Blaue fortgesetzt.
Der Innenraum der Kirche wirkt heute bewusst schlicht und relativ dunkel. Die freigelegte Balkendecke ist mit ornamentalen Malereien versehen. Fenster und Chorbogen werden von Rankenornamenten eingerahmt, und alle Fenster sind mit farbiger Bleiverglasung ausgestattet. Das Ostfenster zeigt Maria mit dem Kind auf der Mondsichel, während in den Seitenfenstern elf Apostel dargestellt sind.
Zur Ausstattung der Kirche gehören mehrere kunsthistorisch bedeutende Stücke. Die schlichte Granittaufe stammt vermutlich noch aus der Bauzeit der Kirche; ihre Taufschale wurde 1670 gestiftet. Ein großes spätgotisches Triumphkreuz aus der Zeit um 1500 hängt heute neben dem Chorbogen. Die zugehörigen Figuren von Maria und Johannes wurden lange im Flensburger Museum aufbewahrt und kehrten 2017 in die Kirche zurück. Ebenfalls mittelalterlichen Ursprungs ist eine beschädigte Bischofsfigur aus dem 14. Jahrhundert.
Besonders bemerkenswert sind zwei um 1500 gegossene Altarleuchter, die von Löwenfiguren getragen werden. Sie stammen ursprünglich aus dem Dom von Meldorf und gelangten nach dem Dithmarscher Krieg 1559 als Kriegsbeute nach Boren. Die barocke Kanzel von 1710 ist mit feinen Akanthusornamenten verziert. Mehrere Pastorenporträts erinnern an Geistliche der Gemeinde, darunter den Heimatforscher Hans Nicolai Andreas Jensen, der im 19. Jahrhundert eine der ersten Beschreibungen der Region Angeln verfasste.
Eine Besonderheit der Kirche ist das sogenannte Pönitenz- oder Hagioskopfenster in der Südwand des Chores. Durch diese kleine Öffnung konnten Menschen, die wegen Krankheit oder Kirchenbann vom Gottesdienst ausgeschlossen waren, dennoch an der Feier teilnehmen und die Eucharistie beobachten.
Die heutige Orgel wurde 1997/98 von der Orgelbauwerkstatt Lothar Banzhaf in Husum gebaut und verfügt über 16 Register.
