Marienkirche in Boren

Auszug aus „Kirchen und ihre Kunstschätze in Angeln“ von Dr. Claus Rauterberg


Ein weiter Vorplatz, seitlich gefasst von dem malerischen Fachwerkbau des alten Küsterhauses – heute Gemeindehaus, erbaut um 1800 als erste Dorfschule – sowie dem Schulhaus des 19. Jh., verbindet die Dorfstraße mit dem Friedhof und der weiß gestrichenen Backsteinkirche. Keine der vielen romanischen Kirchen Angelns zeigt heute so stilrein das Bild ihrer Bauzeit, des 1. Drittels des 13. Jh., wie St. Marien in Boren. Nur das spätgotische Vorhaus mit seinem blendenverziertem Giebel und die wuchtigen Stützpfeiler an der Westwand sind spätere Zutaten. Bis 1938 war allerdings auch der aus Saalschiff und Kastenchor gefügte spätromanische Bau durch große neuere Fenster und einen Gruftanbau im Norden wie alle Angelner Dorfkirchen verändert Dann begann unter Leitung des Konsistorialbaumeisters Otto Schnittger eine umfassende Renovierung mit dem Ziel, durch Öffnen und Rekonstruieren der ursprünglichen kleinen Fenster und Umgestaltung des Inneren dem Gotteshaus seine Romanik zurückzugeben, was den damaligen Tendenzen in der Denkmalpflege entsprach. Im Original erhalten sind außer einigen Fenstern der Nord-und Ostseite die beiden Rundbogenportale. Das nördliche mit Kämpferprofilen aus Formziegeln führt vom Vorhaus in die Kirche. Die Seitenwände des Vorhauses sind innen durch Nischen gegliedert, in denen die Männer einst ihre Waffen ablegten, daher die dänische Bezeichnung Vabenhus.

Im Inneren beseitigte man 1938-40 um der Klarheit des romanischen Raumes willen barocke Einbauten, darunter alle Emporen und die Loge des Gutes Lindau. Der romanische Chorbogen sowie die ihn begleitenden Rundbogennischen für Nebenaltäre wurden rekonstruiert. Seine eindrucksvolle, in der 2. Phase der durch den Krieg unterbrochenen Renovierung 1946-52 gewonnene Erscheinung verdankt der dämmerige Raum dem Maler und Restaurator Carl Fey und dem Bildhauer Alwin Blaue. Fey bemalte die 1938 freigelegten Deckenbalken mit fantasievollen Ornamenten und faßte die Fenster und den Chorbogen mit Rankenwerk ein. Stiftungen von Gemeindegliedern gaben ihm die Möglichkeit, alle Fenster mit farbiger Bleiverglasung zu füllen. In expressionistischer Stilhaltung sind im Ostfenster Maria mit dem Kind auf der Mondsichel, in den Seitenfenstern elf Apostel dargestellt.

Alwin Blaue schuf die Holzplatte (Antemensale) mit den Symbolen der Evangelisten vor dem 1941 gemauerten Altar und das Altarkruzifix, das die Gestalt Christi im Strahlenkranz zeigt. Die beiden von Löwenfiguren getragenen, um 1500 gegossenen älteren Altarleuchter entführte der Junker Bartram Ratlov auf Lindau 1559 als Kriegsbeute aus dem Dom der damals besiegten Dithmarscher in Meldorf. Damit auch zeitweise vom Gottesdienst ausgeschlossene Sünder der Meßfeier zusehen konnten, baute man im Spätmittelalter in die Südwand des Chores ein kleines Pönitenzfenster ein aus der Bauzeit der Kirche stammt die pokalförmige Granittaufe. Neben dem Chorbogen hängt jetzt das große spätgotische Triumphkreuz. Christus ist ausdrucksvoll als Leidender dargestellt, das Kreuz wird von Krabbenschmuck als Zeichen des Lebens gerahmt und endet in Feldern mit Evangelistensymbolen. Die schöne Barockkanzel von 1710 trägt keinen Bilderschmuck, dafür meisterhaft geschnitzten Akanthusdekor. An Otto Ratlau, gest. 1551 und seine Frau erinnert der Grabstein im Chor. Mehrere Ölbilder des 18. und 19. Jh. stellen Pastoren der Gemeinde dar, darunter Dr. Hans Nicolai Andreas Jensen, der 1844 die erste Beschreibung Angelns verfaßte. Die 16-Registerorgel baute Lothar Banzhaf, Husum 1997/98. Nordöstlich der Kirche steht der 1695 errichtete hölzerne Glockenturm, noch in der aus dem Mittelalter überkommenen Angelner Form.

Drohnenflugaufzeichnung vom 19. Mai 2017